Posted by michl on 04/08/2017 in motz with Comments closed

Rede zum 1. August 2017 in Mogelsberg

«Mein Bruder!» --- hätt de Winnetou amel xsait. Ä letschts Mol hätterds xsait, wonner i dä Arme vo dem gläge n'isch, wonner sinn Brüeder gnännt hätt. Worom dä vör enn «Mein Bruder!» xsii isch, wössettmer alli, är hätt mit em, äm Old Shatterhand, sis Bluet tuuscht. I de n'Arme vo sim Bluetsbrüeder ischer gschtorbe: «Mein Bruder!» hätter gschtammlet, ä letschts Mol. Grad no ä Schüsserei zwöschet Bleichxsichter und Roothüüt, wommer alli gmaint hännd, dass es klar isch, wie's usechunnt, so wie's immer usecho isch, nämmlech dass de Winnetou und de Old Schätterhänd gwönnet und d'Schpitzbuebe tot sind.

Aber denn isches ganz schnell ganz anderscht cho, de Winnetou isch ine Chugle ine gloffe und nöd dä Gauner Sänter. En Schock vör alli, vör alli wo debii xsii sind und vör alli vo üüs, wo's gläse händ. Au vör mi isch ä Wält zemebroche. Dä Winnetu i dä ewige Jagdgründ? Minn Held isch nüme? Vor allem, hani denkt, wie goohts etz witer? Wa läsi vo jetz aa? Wa machi jetz? Nüt me läsä? Nüt meh lese wäär vör mii ä Kataschtrooffe.

Aber i läs eu hütt nüüt usem Winnetu voor, nüüt wo anderi gschrebe händ, oder villicht au gloge händ. Genau, I rede hütt vo Woohrheit und Fälschig, vo Woohrem und vo Unwohrem, vo alternative Fakte und vo Fake.

Dä Schock vom Winnetu sim Tod isch vör mi gross xsii. An zwaite Schock hätt mi vill Johr schpöter erreicht. Nämlech do, woni erfahre ha, dass de Winnetu gar nie glebt hätt. Dass alles nor erfunde xsii isch, und no dezue, dass de Schriiber von dene Gschichte, de Erfinder vo däm Winnetou, gar nie z'Amerika bi dä Indianer xsii isch. De Winnetou isch nor en Erfindig. Erschtunke und erloge. Fälschig! Fake! Mä hätt mi aagloge, und alli hentz gwösst, alli om mii ome, nor ii ha dra glaubt, dass de Karl May als Old Schätterhänd bi allem debii xsii isch. I bi meer richtig verroote vorchoo, i hami blossgschtellt und allai glooh gfüühlt . Aber ii ha niemmertem tschold chöne ghee. I bi sällber tschold xsii, sällber tschold, dasis globt ha.

Etz woni älter bii, älter und e bitzli gschidder, etz waissi au, dass dä Winnetu nöd de ainzig erfunde Held xsii isch, wo mi a de Nase omegfüehrt hätt. Fascht alli Helde vo ainscht sind hütt Legende, oder umgekehrt, us Legende hemmer Helde gmacht. Dä Willhelm Tell, de Arnold vo Winkelried, de Ueli Rotach, alles Helde, aber alles Legende, de Graf Dracula, de Spidermän, s'Chrischtchindli, s'grüe Mannli und Ufos und dä ufem Föfliiber und au de Jesus - alles Legändä. Legändä händ nor ä Spüürli Woohrhait i sich, aber im Grosse und Ganze sindz erfunde. Fake.

Heldä, Legände, Saage, Müühthe, aalls erfunde, vo meh oder weniger kreative Schriiber währänd Johrhunderte uufbaut und uufbauscht und meer hentz globt und globetz hütt no. Es bruucht Zit, vill Kolportöre und ä paar Ungereimtheite, dass öpper oder öppis zor Legändä wird. Wär alles klar und transparent, wör kain zom Held gmacht werde, well villes, wa die sogenannte Helde hettet solle gmacht oder ärläbt ha, gar nöd hätt chöne sii, oder well jedi Situation, wo aine angeblich zom Held worde isch, äbä n'au andersch cha usglait werde.

Oder hett andersch chönne uusglait werde, wäret neutrali Beobachter zugege xsi. Aber es hätt äbä niemmert mitgschrebe oder fotografiert. Oder denn isches öppe n'aim erscht Jahre später, im Fall vom Winkelried und em Tell erscht fascht 200 Johr schpöter in Sii cho, dass'mers no chönnt ufschriibe. Und wells kai Ziittzüüge meh ghee hätt, händ sich d'Schriiber bem Recherchiere ainzig und alai uf da möse valoh, wa vo Muul zu Muul über acht Generatzione wiitter drait worde n'isch.

Die Schilderige sind sicher nöd objektiv xsih und hend zudem be jedem Witerverzelle en Änderig erfahre. Si händ än Aigeläbä öbercho, neui Fakte gschaffe, alternativi Fakte iibaut öberchoo, ganz so wiemmers gern xseeh hett undz grad passt hätt. Si sind befange xsii, die Schriiber, well si nor Ghörtz und Gsaitz vo ainere Siite rcherchiert und ufgschrebe händ, nämlich d'Siite vom schpötere Held. Niemmert hätt d'Habsburger gfröget, wie's xsii isch dött be Sempach anne 1386. Hüttzutags wörmer sägä, es isch en aisiittigi Prichterstattig, schlächt recherchiert, nur ai Siite zo Wort cho looh. Ä so ain chönnt hütt nono bi de Wältwoche schaffe oder denn als PR-Berater, aber sicher nöd binnärä seriöse Zittig.

I möcht eu vomänä Biischpiil väzelle, ais wo d'Schwizz nöd so guet usgseh hätt und kai Helde gebore hätt, aber trotzdem i üsene Gschichtsbüecher schtoot und no zo mine Zitte i de Schuel glehrt worde isch. I rede vo de Schlacht vo Bibracte im Joohr 58 vor üsere Zittrechnig. 92'000 helvetischi Chrieger mit Sack und Pack und Chind und Chegel, insgesamt angeblich 368'000 Persone, meh schtell sich da mol voor, händ eri Haimat im hütige Schwizzer Mittelland verloh, um gäge Gallie z'züche. D'Gallier z'vetriibe und sich im neue Land, hüt Frankrich, niederz'loh, isch s'Ziil xsii. D'Helvetier hend en Aafüerer gha, Orgetorix hetter ghaisse, er hett enad s'Züg zom Held gha, isch aber glich nöd zo aim worde, är hätt ä tragisch's Ende gnoh, er hätt sich nämlich ob all dänä ungünschtige Eraignis umbrocht. Und är isch dromm au nöd zonere Legändä worde, niemmert hätt sini Gschicht uufgschrebe und is guet Licht gschtellt.

Sex wes well, jedefalls sind die Helvetier gege de Jura zoge und henen'one uf en anders Heer troffe, wo die genau gliiche Plän ghat hätt, nämlich das Gallie z'erobere. Es sind d'Römer xsii, 4 Legionä, 50'000 beschtens uusgrüschtete Chrieger, und die händ mit dene Helvetier chorze Prozess gmacht. Sie händ die Rieseschar vo Lütt regelrächt noch allne Regle vo dä Bodechriegskunst usenand gnoh, en grosse Teil vo de Manne tööt und de Rescht wieder hai gschickt.

Aber e Schlacht wo d'Schwizzer schmächlich väloore händ und nöd emol en Held geboore hätt, wär jo kumm i d'Leehrbüecher vom Gschichtzunterricht uufgnooh worde. Di übrigblebene Helvetier sind jo kumm haihange und händ eri Niderlag brüewarm wiitterväzellt. Sie isch drum au vagässä gange, meh hätt Gräs dröberwachse looh, und niemmert isch meh druff zroggchoo. Meh isch froh xsii, dass niemmert meh dävo gredt hätt. Vo därä Schlacht vo Bibracte wöörätmer hütt überhopt nütt wösse, will kain ainzige Helvetier und kain ainzige kreative Chronischt under dä Helvetier au nor ain Buechstabe drüber värloore hätt. Au will sie äbä kai Potential vör Legändä gha hätt, kaine vo dä helvetische Betailigte isch irgendwie mittere bsondere Laischtig ufgfalle, wo sich vör ä Legändä gaignet hätt.

Irgendöppis uffzschriibe isch kai Thema xsi dozmol bi dä Helvetier. Si händ kai Ahnig gha vo Schrift und Buechschtabe. S'hätt immer gnüegt, dassmer mittenand gredt hätt, schriibe hätt niemmert möse und niemmert chöne. Da isch zimli lang so blebä, gnau xsait über 1300 Johr. Niemmert hätt öppis uufgschrebä, bi all dännä Schlachte nöd, bem Mord am Gessler nöd und au nöd bem Rütlischwur. Dass meer hütt aber trotzdem vo därä Schlacht be Bibracte wösset, meh als 2000 Johr schpöter, hätt sin Grund nöd bi de Helvetier sondern bi de Gägäsiitte.

Die ganz Schtory vo derä nur 24-schtöndige Schlacht und no ainiges meh zum Feldzug vo de Römer gege d'Gallier isch lückelos dokumentiert worde, ufgschrebe worde vom Chef und Feldherr persönlich, em Gaius Julius Cäsar. Beziehigswiis vo sim Sekretär, wo während de ganze Schlacht und i dänä Feldzug gägä Gallie hinter em gschtande isch und Notize gmacht hätt. De Cäsar isch sozsäge sin aigne Prichterstatter xsii, en «embedded Journalist» wie sie hüt bi jedem Chrieg debii sind. Embedded, also iibettet drom, well sie nur vo ainere Sitte schriibet, si sind i ainere Chriegspartei iibettet un chönd demzufolge nöd neutral sii.

Dä Cäsar isch Chriegspartei xsii und gliichzitig Prichterstatter vo dem Chrieg. Genau so wie die Chronischte, wo über de Välauf vo dä Schlacht be Sempach, am Schtoos oder am Morgarte gschrebe händ. Sie händ us de Sicht vo dä ainte Chriegspartei gschrebe - aber si sind zuedem nödemol debii xsii. Logisch, dass do d'Faktelag zimli väzerrt usechoo isch. Aber globe tüemers trotzdem.

De aisittig Pricht vo dere Schlacht be Bibracte chammer hütt no nooläsä, er schtoot im erschte Buch vo insgesamt acht mittem Titel «De bello galiico», wa latiinisch isch und «vom gallischen Krieg» heisst. De Cäsar hätt die Bücher nöd gschrebä, damit d' Nachwält waiss, wa z'Bibracte abgange isch. Dää Zwäck hettz total väfäählt. Bibracte gittz scho lang nüme, und nünt, aber au gär nünnt, nöd emol ä Gedänktafle, wiist döt, wo Bibracte mol xsii isch, im Burgund nämli, uf die Schlacht zwöschet de Römer und de Schwizzer hii. Kain ainzige Chnoche vomänö Helvetier oder ämänä Römer hättmor gfonde, kai ainzigi roschtigi Hellebarde.

De Franzose, also de Gallier, isch das Gemetzel ainewäg am A... väbii gange. Es sind jo zwei ossländische Heer xsii wo do ufenand losgange sind und si, d'Gallier, händ usserdem nochhär sälber no gnueg ztue öbercho mitt dänä Römer. De Cäsar, wo jo doo gad Konsul vo Rom xsii isch - also dä Regierigschef sozägä - hätt die Pricht gschrebe, um dehai ä gueti Falle z'mache, bella figura wiemer sait z'Italie, um z'zaige, waneer vören glorriche Feldherr isch, wie grossartig er Länder eroberet und und Völker underworfe hett.

Etz devoo uss z'goo, dass i dem Werk de bello gallico alles woohr isch, wa dine schtood, isch natürli naiv. De Cäsar hätt erschtens us sinere Sicht gschrebe und zwaitens öppis wölle erreiche. Er isch im Grund gnoo dä erscht sälbergmacht PR-Mänätscher xsii, aber sicher kain Chronist oder gär än Schurnalischt. Är hätt Marketing in aigener Sach gmacht,

Widersprechende oder neutrali Pricht vo dem Eraignis giitz nöd. So wie vo villne Schlachte i dem Europa äs kai objektivi Pricht git, au nöd vo dä verschidene Schlachte vo de Aidgenosse. Es isch villes erfunde, dazuedichtet, mündlich witterghee worde, villes isch falsch, ä Fälschig und somit Fake. Fake News gittz nöd erscht sittem Dezember im letschtte Johr, Fake News hättz scho immer ghee. Scho immer isch's Volk, aagloge worde, absichtlich zwecks Manipulation, oder unabsichtlich ufgrund vo Dommheit und Inkompetenz oder au Arroganz. Villes wa üs umgitt, isch gär nöd woohr, villes wa meer witterverzellet au nöd und demit ä Lüg, wo immer witter glooge und immer witter vädröllet wert. Ä Lüg wert nöd wohrer wemmer si oft gnueg väzellt. Mit Mainigxfreiheit isch nöd gmaint, dassmer munter druffloos lüge chönd.

D'Woohrheit isch en vage Begriff. Jede hätt sini, die absoluti, allgemeingültigi, objektivi Woohrheit gittz nöd. D'Woohrheit isch da, wommer als Woohrheit wönd xseeh. «Wahrheit entsteht im Auge des Betrachters» luutet e Bonmot. «Im Chrieg isch d'Wohrheit s'erscht wo stirbt» en anders. Es wert nebscht em Schüsse und Bombe au bschesse und gloge, me sait dem Propaganda. Dä Bismarck hätt xsait, dass nie so oft gloge weert wie vor der Wahl, wäärent äm Chrieg und noch dä Jagt. Aber au im Werttschatfsläbä - nöd nor am Schtammtisch, aber döt au - wert gloge um Ziil z'erreiche, denket nur at Marketingbranche, do isch mindestens d'Hälfti nöd wohr wa do aaprese wert. Lueget Vormittagsfernseh oder Mike Shiva TV und ehr weeret aagloge. Chaufet en Vauwee und ehr weeret aagloge.

Es gitt vilicht nor ais, wo wohr isch: In Vino veritas, im Wein ist Wahrheit. Sait mer, nöd unberechtigt, oft ischmer ehrlicher, wemmer chli aine hinder de Binde hett. Dä Umcherschluss luutet idemfall: «Die Realität ist eine Halluzination, welche durch die Abwesenheit von Alkohol entsteht.» Doo moni no de Urheber vo dem Zitat iifüege, söss weri nöd wegä Plagiiererei verzeigt. Xsait hätt da en Habsburger namens Johann Hölzl, besser bekannt als Falco. Er sich laider mit 41 scho um's Läbä cho willer - jo wa ächt, z'vill Woohrheit intus gha hett.

Etz wörft'me au dä Medie voor, dass sie vill Saich schriibet. Naürli schriibet d'Medie näbscht vill Woohrem au vill Saich. Villes wa me lisst isch halbe richtig, unvollständig, aisiitig oder ganz falsch. Villes passiert bem Kopiere vo Meldige, wo anderei scho nur halbrichtig verbreitet hend, villes passiert well aifach zwenig Kompetenz dehender steckt, villes isch un- oder halbwohr well's Dummheit und Oberfächlichkait gitt.

Aber villes vo dem, wa üüs underbreitet wert, isch absichtlich Mescht, womöglich no woohr aber total irrelevant. Interessiert üüs wörkli der Hinder vo de Kardäschian? Interessiert üs wörkli s'erscht Foti vom Tschortsch Kluuny sine Goofe? Interssiert üüs wörklich wavören Tüpp sich die Bätschlorette ganglet hätt? Offesichtlich scho. D'Tochter vo de Mischäll Hunziger, äs Maitli vo grad emol 20 Johr, hätt uf Inschtagramm über ä Million Abonnente. Ai Million Mänschä interessierät sich dävör, wa die vör Badhose aahätt! Was isch so interessant am Läbä vonärä Zwanzjööhrige, dassmer da mönd wössä??

D'medie bedienet üsi Bedürfnis. Mer wöndz ebe wösse, mer wönd wösse worom dä Äschbacher etz die oder die Grawatte aahett und warum roti Hose. Mer sind selber tschold, wen d'Medie üs mit sottigem Chabis bedienet. Wemmer die Gratisblättli i de Chischte ufem Bahnhof wöret liggeloo, wöret d'Medie weniger Mescht verbreite und somit weniger lüüge. Wenn meer selbstschtbewusster wäret und richtig gueti Meldige vo de Medie wöret verlange, wemmer reklamiertet und Leserbrief schriibet, immer und immer wider, denn weert z'Zittig besser. Denn was relevant isch, beschtimmet meer, also eer, und nöd d'Journalischte. Aber D'Journalischte mönnd wösse, wa eu interessiert. Gend eu chli müeh und denket dröber noh, wa eu wörklich interessiert und interessieret eu nöd aifach för öppis, nor wells sich au de Nöchbor däför interessiert.

Tüend nöd mitlaufe und mitrede be Themene, wo gar nöd wichtig sind. Setzet selber Theme, diskutieret fundiert und interessiert und stellet Froge noch de Wohrheit. Vezellet nüt wiiter wonner nöd sicher sind dasses au woohr isch, verbreitet kai Grücht und dichtet nüt dezeu, verlanget Vertraue und gend Vertraue. Stellet Aaschprüch a d'Medie statt si z'verflueche. Bhaltet ä xsondi Skepsis, globet nöd jede Mescht.

Aber: D'Woohrheit z'säge, oder z'schriibe, isch nöd so aifach. «Wer die Fackel der Wahrheit durch die Menge trägt, verbrennt manchem den Bart» luutet e n'arabischs Sprichwort. Me mues e dicki Huut ha, wämmer d'Woorhait schriibt, me mue mit ämene Schittschtorm chöne umgooh, und dasch nüt vör aifachi Gmüeter. Schriibsch vomänä halbleere Saal bemänä Konzert, wert dä Veranstalter gallig und lüütet äm Schäffredaktor aa, wa denn da vören Aafänger xsih isch, wo dä Pricht geschrebä hätt. Jo klar, hettsch au chöne schriibe halbvoll, tönt besser, aber isch genau s'gliich. D'Woohrhait z'schriibe schafft kai Fründ. Aber au kai schlächtz Gwössä.

Und zum Schluss möchti eu no ä Rätsel mitgeeh, denket aber erscht dihai dröber no, nöd dass den nimert d'Hymne singt well alli am Chopfchratze sind. Also:

Träffet Zwei ufenand, sait der aint: Du lüggsch und i säge d'Woohrheit. Nai, sait der Ander, du lüggsch und i säge d'Woohrheit!

Paradox dra isch, dass baidi recht händ! Aber wär isch dä wo lüggt und wär dä wo d'Wohrhait sait?

Danke vös Zuelose - und händ ä schös Fäscht!

saharaoui

Posted by michl on 30/08/2016 in motz with Comments closed

Es ist da!
Band 3 der Reise-Reportagen-Reihe

«Saharaoui»

Gebunden, 288 Seiten, ISBN 978-3-033-05840-8

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grippedbäg

oder in der Buchhandlung Deines Vertrauens!

Fremd

Posted by michl on 02/08/2016 in motz with Comments closed

Rede zum 1. August 2016 in Degersheim

Wämmer z'Ttiflis, dä Hauptstadt vo Georgie znacht am elfi usem Flughafe usechunnt, simmer zersch mol rootlos.

Georgie isch e chliis Land, chli grösser als d'Schwizz, aber nor d'Hälfti Iiwohner. Georgie hätt aber en eigni Sprooch und sogar en aigni Schrift (Plakat1):

ტაქსის

E Schrift, wo nöd annähernd usxseht wie irgend e Schrift, wo üüs bekannt isch, wo überhaupt kai Interpretatione zueloht. E schöni Schrift, aber äbä, als Tourist schtoosch zimli am Berg wennt us de Bezeichnige uf de Strasseschilder oder us de Reklame a de Gschäftshüser aifach nöd druss chunnsch, und no schlimmer: wenn d'Menucharte nöd im Gringschte verschtoosch. Zwor kennt Georgie au no e Zweitsprooch, nämlech Russisch, und villes isch au no uf Russisch aagschrebe. Aber äbä. Mer Tourischtinne und Tourischte, mer Schwizzer und Schwizzerinne väschtönd im Normalfall au nöd Russisch, no chömmer mit de russische Schrift öppis aafange.

Wemmer z'Helsinki uf de Schtadtbesichtigung zmittag am zwölfi plötzlich Hunger hend und dringend öppis z'Bisse mönd ha, denn chömmer denn au nöd em Gwohnte vertraue. Es chönnt scho sii, dass mer voreme Huus zue verhungeret, obwohl da druff stoht (Plakat2):

ravintola

Und nomol e Biispill, wommer nöd wösset wie wiiter, obwohl mindestens 50% vo de Situation enad klar isch: (Plakat3):

M | V

Und drum xsehmer zimli alt us z'Tiflis am Flughafe, z'Helsinki i de Fuessgängerzone oder z'Litaue vorem öffentliche WC.

Es iisch villes fremd im Ossland. Es isch sehr vill me fremd, als mer gmaint hend, bevor mer gange sind. Mer alli wösset, das üses Dütsch usserhalb vo de Schwizz, vo Dütschland oder Öschterriich scho gli nüt me gilt. Mer händ leider nöd s'Selbschtvertraue vo den'Amerikaner, wo globet, aifach überall dörezcho, die wo nöd im gringschte dra denket, dass amene anderen'Ort andersch gred weert. Klar, sie chömed immer döre, well zufälligerwiis weert a villne n'Orte au Englisch gret. Aber mer weered chromm aaglueget, wemmer versueched, üs uuszdrucke mit Dütsch oder wemmer die aifachschte Begriff versueched z'entziffere. Das Problem mit dem litauische WC gitz nämli z'Tiflis au. Und da isch jo denn no s'chliinscht Problem.

D'Sprooch und d'Schrift sind üs fremd im Ossland. Aber eigetli sind jo meer fremd im Ossland, nöd s'Ossland isch fremd. Meer sind die Fremde, und di andere sind di Iihaimische. Meer wösset da und passed üüs aa so guetz halt goot. Meer lerned gezwungenermasse d'Sprooch oder Teil vo de Sprooch, mer lernet onder Omschtände au d'Schrift und schtelled denn i villne Fäll fescht, dasses vill Übereinstimmige git. Es macht mengmol sogar Schpaass, die fremde Buechstäbe z'lerne, denket nur a s'Griechisch. Da Alphabet hätt doch fascht jedi und jede i de Schule glernt. Und au bem Russisch lached mer, wemmer versuched, e Wort so uus'zschpreche wies gschrebe isch, und falled denn druf ine, wenn gwössi Buechstabe ähnlech geschrebe sind wie üsi aber ganz andersch uusgschproche weered.

Fremd. Wie gothz ächt dene, wo bi üs fremd sind? I globe, de Tourischte goohtz nöd schlecht. Die nehmed sich en Füerer oder e Füereri und s'Problem isch glöst. Und meh und meh bemüed jo au mer Schwizzer und Schwizzerin üs, mindeschtens e bitzli Englisch z'lerne, wemmer doch scho mit em Französisch so Mühe hend. Mer bemüed üs, dass üses Land de Fremde nöd allzu fremd voorchunnt.

Aber wa isch mit dene, wo chömed oder müend cho, us Länder wo ganz anderi Schriftzeiche und Sprooche hend? Die xsehnd am Flughafe, am Grenzbahnhof oder a de grüene Grenze au zimli alt uus. Nöd s'Aifachscht chönntz lese, nöd s'Aifachscht säge. Sie chratzed sich am Chopf und hadered mit sich, dör weli Tör s'ächt mönd goo wenn's mol dringend müend. Die Art von Reisende nemet sich denn halt au en Füerer oder e Füereri. Nor saitmer demm denn nöd so und s'choscht au vill meh.

Die meischte Fremde a üsere Grenze sind aapassigsfähig, so wie au meer üs chönd aapasse. Wie xsait, mer lerned d'Schprooch, d'Sitte und d'Gepflogeheite vom Land, wommer anegönd. Dasch jo s'Mindscht wommer chönd, jo mönd mache. Mer lernedt bi üüs im aigne Land aber au vill fremds. Mengmol wömmer's lerne, aber meischtens merkemers gar nöd, dassmer grad öppis fremds glernt hend.

Da fangt jo scho i de Schule a. Usgrechnet im Dütsch lerned mehr fascht meh fremdi Wörter als dütschi: De Dativ, de Akkusativ, de Konkunktiv, de Imperativ, de Präservativ - ups, da wär denn en anders Fach.

Die wo Germanistik - d'Lehre vo de tütsche Schprooch wert mitemene Fremdwort bezeichnet - schtudiered, jo die lernet die ganz Zitt nor Fremdwort: Semantik, Synonym, Synopsis, Literatur, Romanistik, Belletristik, Präambel, Prolog, Epilog, Nekrolog undsowiiter

Die wo Medizin schtudiered lerned en Huufe über de Thorax, über de Abdomen, über d'Chondrokalzinose, über Vasektomie, über Diabetes, über sediere und anästhesiere, über künschtlichs Koma und übers Uvulaödem - kai schöni Sach im Fall, betrifft oft die wo schnarchlet. Jo d'Mediziner, d'Urulogen, d'Geriatriker, d'Chirurge, d'Orthopäde chönntet sich da ganz Tag unterhalte und mer verschtönd kai Wort. Ä fremdi Schprooch, fremdi Wort. «Medizinische Praxisassistentin», drü Fremtwörter i aim Bruef.

Und denn de Sanitätmonteur, de Mechatroniker, de Mediamatiker, de Automatiker. Alles typische und beliebti Schwiizzer Brüef, aber alli mit Fremdwort bezeichnet. Und vör de Elektromonteur, de Schtromer, chunntz denn im vierte Lehrjohr no ganz dick: Synchronmaschine, Phaseverschiebig, Induktion, Reaktanz, Impedanz, Sinus, Co-sinus, Co-Tangens, Rekuperation - machetz am Gotthard obe imfall - Motor, Generator, Transformator - alles fremdi Bezeichnige

Fremdwörter also überall: Im Schpitol, bem Tokter, uf de Bauschtell, Fremdwörter wo kein normale Mensch verstooht, Diarrhoe, Gonorhoe, Obstipation, Inkontinenz, Meningitis, Gastritis. I de Wisseschaft, do ersch recht Fremdwörter, Zenith, Zodiak, Äquator, Deklination, Ekliptik, Logarhythmus, Algebra, Trigonometrie, Plasphemie - ups, ghört uf en anderi Bauschtell, döt wommer vo Liturgie und Eucharistie oder Kommunion und Exkommunion redt. Jo sogar förs s'fremdgooh gittz e Fremdwort, es heisst Genetisches Shopping, gilt nur vör d'Fraue, well d'Manne gönd jo nöd fremd. Deför gittz vör beidi Gschlechter, ganz im Sinn vo de Genderproblematik, e Wort vör öftere wechselnde Sexualbeziehungen, es heisst Promiskuität.

Mehr Schwizzer und Schwizzerinne - ehr xsehnd, ich betone au s'wiiblich Gschlecht, au da hätt inzwösche e Fremdwort öbercho: es heisst, wi gad xseh: Genderproblematik - mehr Schwizzer und Schwizzerinne weehred die ganz Zitt gimpft und übergosse und indoktriniert mit fremde Wort. Und zwor masseiiwanderigshaft.

Vill vo dene Wörter wählet mer freiwillig, wemmer üs gepflegt oder ganz gschiid wönd uusdrucke, zom Biispill bem Small Talk - au da isch e Fremdwort - oder ebe jetzt woni daar en Erschtaugustred rede. Aber no vill meh fremdi Wort weeret üüs regelrecht ufdruckt, uufzwunge, oktroyiert und das scho sitt Johre, jo Johrhunderte. Die meischte fremde Wort chömed usem alte Griecheland, us Ägypte oder us Rom, aber au us Ungarn, zom Bischpill Kutsche oder Gulasch, oder usem Sanskrit: Guru, Nirwana, oder gäär us Grönland, wo s'Huus Iglu heisst. De antiki Schproochschatz hätt sich längscht erschöpft, und trotzdem giired üsi Gsellschaft immer noch no neuere Wörter, vorzugswiis äbä fremde Wörter. Jetzt alltäglichi Wörter sind erscht i de letschte zäh Johr alltäglich worde. Mitem Handy chammer maile, poste, twittere, chatte, skaipe und blogge, und am End chammer sogar no telephoniere, au da e Fremd Wort, aber scho elter. Cooli Sach.

Fremdi Wort überall. Au dehai. Computer. Induktionsherd. Sideboard. I de Politik: Parlament. Demokratie. Initiative. I de Wirtschaft: Inflation, Rezession, Zession, Profit, Konkurs und de Boss heisst nüme Boss, sondern CEO. Alles fremdi Wort. Mer hends aagnooh, adaptiert, au well fremdi Wort halt meischtens i aim Wort chönd uusdrocke, wommer mit düütsche Wort ganz Sätz deför bruucht. Drum sind si üs au lieb worde und mer verlüüred bem Rede oder Schriibe kain Gedanke dra, dass es ebe aigentli fremdi Wort sind. Anderi wiederum nemmetmer nor widerwillig a, wöretz lieber weglooh, aber s'ghooht nöd, si chömed glich, sie misched sich glich i üsen Schproogebruuch, und zwor mit aller Gwalt:

Asylant, Minarett, Burka, Tschador, Jihad, Imam, Hamam, Allah, Attentat, Terror, Immigrant, renitent - heiligs Verdiene, wie hemmer da verdient. Usegheie, zuemache, zroggschigge, abschiebe, abschotte - jo au vör da gitz e fremds Wort. Es heisst Isolation. D'Schwizz de Schwizzer- und Schwizzerine. En äähnliche Begriff heisst Protektionismus. Essemer Chöl und Kabis und Rüebli - d'Ananas, d'Banane, d'Khaki und s'kanadisch Pferdefleisch cha dossebliibe. Vo dosse nemmermer nor da wammer wönd, mer picked d'Rosine, mer wönd nor de Disl und s'Benzin und en Computer und s'Handy. Und e Houmpeitsch. Und chinesische Bsetzistei. Und die gschiide Lüüt und die tüüre Banker. Und s'Auto. Isch tenk klar. Und de Riis. Und d'Härdöpfl vör d'Pommschips. Jo und d'Schoggi. Und de Kafi. Und Kokain! Ups - anderi Baustell.

Und im übrige blibet mer do. Mer händs jo so schö. Schmiered üüs mit Sonnegrem ii und sind protectet. Me gönd nono use wemmer mönd und Ferie mönds aim ghe. Aber söss bsueched mer die Fremde nüme und schicked au kein Truppe, selbst em Fride zlieb nöd. Mer händ jo immer nor uf de Sack übercho, döt z'Marignano und s'andermol z'Bibracte. Jo Bibracte, genau, die Schlacht bei Bibracte, 58 vor Christus - Gschicht i de föfte Klass. D'Schwizzer und Schwizzerinnen, wo doo no Helvetier und Helvetierinnen gheisse hend, sind hai gschickt worde, mit Schimpf und Schand und emene Huufe Bluet, vom Feldherr und römische Proconsul Gaius Julius Cäsar himself. Was vören Ehr, immerhin. Verprüglet und haigschickt worde, und das isch gute so, soss gäbs üs nämlich gar nöd und mer wäred Franzose und Französinne, Gallier und Gallierinne und hettet hüt nüt z'fiire.

I verzell kain saich, imfall, isch alles wohr und ufgschrebe worde, vom erschte sogenannte embedded Journalist, vom erschte iibettete Prichterstatter, em Sekretär vom Julius nämlech. Die Prichterstattig chame noolese, i betone: chame, Latiiner i de Kanti müends, und möse isch nöd übertribe, es sind nämli zäh Bänd. De bello gallico. Vom gallischen Krieg. De Autor isch en Kolleg vo meer.

Fremde. Worte. kommen. über. uns. Überfremdig. «Wottschmi produziere?» frögt der aint. «Nei, Fremdwörter sind nöd miis Röscho!» sait der ander. Da chas ebe aug ghe: me weiss nöd wammer sait. Me redt en Saich. Mit Fremde - Wörter umghoo haisst: sich demit beschäftige. Me sött scho chli wösse, mittwemmers z'tue het. Vo wammer redt. Mit wemmer redt. Nöd Prokrastination säge wemmer Kastration maint. Oder umgekehrt. Kastration isch e chorzes, wennau schmerzhafts Liide. Prokrastination isch ä unschmerzhafts, langs schwers, fascht unheilbars Leide. I liide dronder. Da heisst, i liide eigetli nöd, i has aifach. Dasch chli bezeichnend a de Prokrastination, meh fühlt sich nöd chrank debii. De Verchersverein hätt hüür au a Prokrastination glette. Er hätt d'Suech nocheme eloquente Redner vör de 1. Auguscht so lang ufgschobe, biser halt nono en mittelmässig talentierte C-Promi gfonde hett zom do ufeschtohh. Er hätt prokrastiniert. Und i ha ebeso prokrastiniert und die Red do erscht hütt Nomittag gschrebe.

Jetz mömmer aber zom Schluss cho und verschidene Rätsel uflööse.

Erschtens: Prokrastination heisst, gepflegt uusdrockt: Erledigungsblockade. I de Umgangsschprooch uusdrockt heissts eifach Ufschieberei. Was du heut nicht willst besorgen, das verschieb getrost auf morgen. Dasch Prokrastination. D'Chrankekasse zallts nöd.

Zweitens:

M | V

Die Zaiche do finntmer uf de litauische WC-Töre. Aber obacht: Mit Awendig vo Blochersche Logik «Vroue und Mane» laufts denn schief. «M» stoot vör Moteru, also Frau, und «V» stoot för Viru, de Maa.

ravintola

Und dää Schriftzug xsehnd er a dem Huus, vor demm ehr z'Helsinki fascht verhungeret wääred, es heisst «Restaurant» uf Finnisch.

ტაქსის

Und bi dem Wort wunderets mi nöd, dassers nöd hend chöne läsä, es isch nämli vächeehrt: S' heisst Taxi. Wenner jetzt also demnächst mol z'Tiflis usem Flughafe usechömed, denn lueged uf d'Auto wo so aagschrebe sind. Denn sind schomol en grosse Schritt wiiter i de Fremdi.

Und jetzt wommer d'Laudatio - Achtung Fremdwort! - ghört und de Apero - au e Fremdwort! - gha hend, gömmer zu de Hymne - scho wider e Fremdwort! - öbere.

Aber vorsicht, i üsere Hymne hättz kai Fremdwörter!

Liebs Publikum - hoppla, scho wider - Tanke villmol.

nidelzone

Posted by michl on 13/06/2016 in motz with Comments closed

Zum Verspeisen von Nidelzone muss man auf eine Alp gehen. Ich meine fahren. Alle fahren heutzutag's auf die Alp, selbst die Bauern (darum nennen sie es ja auch «öberefahre»). Neulich bin ich auf so eine Alp gefahren. Berufsmässig. Zum Vergnügen wäre ich niemals auf diese Alp gefahren, es regnete nämlich in Strömen. Was ja an sich nicht Neues ist in diesen Tagen. Auf die Alp geht man, also fährt man, für gewöhnlich nur bei schönem Wetter (schönes Wetter: du weisst, damals!). Doch ein Reportageauftrag hatte mich bei richtig miesem Wetter auf die Alp Burch-Stofel beordert. Es hiess, ich sollte «mal was über die Nidelzune machen».

Also machte ich. Dabei kam ich zum ersten Mal in my life in den Genuss einer Nidelzone. «Nidelzone» sagen wir Untertogenburger, im Gegensatz zu den Obertoggenburgern, die sagen «Nidelzune» (und die inneren Appenzeller sagen «Rohmzune»). Selbstverständlich muss man die Nidelzone essen, wenn man eine Reportage darüber macht. Also ass ich. Und man muss zusehen, wenn sie zubereitet wird. Also sah ich zu. Bauer Hüberli sagte, es brauche dazu 1 Liter Rahm, 4 gehäufte Esslöffel Mehl und 1 rohes Ei. Man schüttet alles in eine Pfanne und kocht das Zeug auf. Man muss ständig rühren sonst «hockt» es an.

Wenn das ganze immer dicker wird, gibt man Salz dazu, soviel wie einem gut dünkt. Wenn man den Eindruck hat, die Zone sei jetzt dick genug, spätestens aber wenn das Fett sich scheidet, aber dann ist es zu spät, nimmt man die Pfanne vom Herd und hockt sich mit ebendieser zu viert an einen Tisch. Die Nidelzone muss man gemeinsam aus der Pfanne löffeln, das ist einfach so. An den gelben Fettaugen auf der weissen Zone muss man einfach vorbeisehen, sonst vergeht einem der Appetit. Zur Nidelzone gibt es Brot und kalte Milch. Nach etwa der Hälfte der für einem zugedachten Menge hat man genug. Den Rest essen die drei Anderen.

Die Nidelzone ist nichts speziell raffiniertes oder gegessen haben gemusstes. Sie wird aus dem gemacht, was man auf der Alp genug hat, nämlich Rahm. Im Grunde ist es das, was wir im Tal eine Rahmsauce nennen. Man könnte noch etwas Weisswein reintun, dann wär's eine Weissweinrahmsauce. Nidelzone ist ziemlich nahrhaft und gibt darum Energie für den Job auf der Alp. Aber kein Mensch hier im Tal käme auf den Gedanken, eine Sauce als Hauptmahlzeit zu essen. Bauern sagen: Früher habe man morgens vor dem «öberefahre» eine Nidelzone gegessen, das habe Boden gegeben für den vielen Weisswein, der ihnen von den Leuten am Weg «useghebet» wurde.

Heute essen die Bauern fast das selbe wie wir Nichtbauern (auch Bananen imfall und Ananas). Nidelzone essen sie nur noch wegen der Show und wie eben an so einer Stobete wie neulich. Eigentlich ist aber die Nidelzone für solche Events ziemlich unökonomisch. Man muss nämlich einen ganzen Mitarbeiter (Senn/Grossmutter/Kind) für das Umrühren abdetachieren. Der oder die macht dann nichts anderes als rühren. Was schon 20 bis 30 Minuten dauern kann und einiges an Kompetenz erfordert. Bei den Löhnen im Tal wäre die Nidelzone unbezahlbar. Deshalb gibt es sie in keiner Beiz.

Meine erste Nidelzone hat mir für den ganzen Tag Boden gegeben. Sie hat derart «gfueret», dass ich mir an jenem Tag nichts mehr kochen musste. Wein habe ich dann auch getrunken. Es war ein roter. Veträgt sich aber auch gut mit weisser Nidelzone.

uvulaödem 2

Posted by michl on 21/04/2016 in motz with Comments closed

Heute morgen bin ich mit einem Uvulaödem aufgewacht. nicht zum ersten Mal, die Sache beginnt sich nämlich zu häufen. In letzter Zeit, ich meine in den letzten Monaten, ist das jetzt ab und an mal vorgekommen. Besonders wenn ich am Abend davor ziemlich viel, ich meine ziemlich sehr viel, ich meine ziemlich sehr viel Alkohol, getrunken habe. Erst dachte ich, es sei das kalte Bier, das ich so mag, und erinnerte mich an einen, den ich vor zirka 23 Jahren kannte, der sein Bier immer temperieren liess. Er sagte damals, er möchte es mir nicht wünschen, seine Probleme mit kaltem Bier zu haben. Ich hatte damals natürlich keine Ahnung was er meinte, denn ich kannte ja die Seriösität seiner Probleme nicht. Heute morgen dachte ich, ich hätte eine Ahnung.

Doch vom kalten Bier kommt das Uvulaödem nicht, soviel ist jetzt klar. Ich habe nämlich gestern nicht sehr viel Bier getrunken. Der grössere Teil des gestern in grösserer Menge Getrunkenen war roter Wein, und der war nicht kalt, sondern gerade recht. Heute morgen, als ich mit dem Uvulaödem im Mund aufgewacht bin, habe ich dann also überlegt und im Zuge dieser Überlegungen bin ich zum Schluss gekommen, dass das Problem nicht von kalten Getränken hervorgerufen worden sein kann.

Ich habe recherchiert und musste feststellen, dass alle nicht-, halb und vollprofessionellen Medizinalratgeber im Internet auf die selbe Ursache beim Uvulaödem hinweisen: Schnarchen! Beim Schnarchen werde nämlich das Uvula derart hin- und hergeschleudert, dass es anschwillt und eben dieses Ödem ausbilde. Keine grosse Sache, sagen die Ratgeber, halt einfach bisschen lästig, im Laufe des Tages bilde sich das Ödem zurück und gut ist.

Daraufhin bin ich ziemlich erschrocken. Bis vor kurzem bin ich stets davon ausgegangen, dass ich nicht schnarche. Entsprechende Feedback's von mit mir den gemeinsamen bei- und/oder schlaf verbringender oder verbracht habender Personinnen deuteten immer auf einen lautlosen Schlaf meinerseits hin. Doch in letzter Zeit mehrten sich - in frappanter Synchronizität mit dem Auftauchen des Uvulaödem's - die Anzeichen von bestimmten Perioden ausgiebigen Schnarchen's, v.a. nach Zeiten exzessiven Alkoholkonsum's.

Nun bin ich nur einigermassen beruhigt. Mein Uvula ist von keiner üblen Seuche befallen worden. Doch die Aussicht, künftig nach jedem Gelage mit einem geschwollenen ebensolchen aufzuwachen, entspannt mich nicht wirklich. Ich habe, wie so oft in meinem Leben, mal wieder die Wahl: mich fernhalten von Saufgelagen oder mich danach abfinden mit einem temporären Uvulaödem. Einem geschwollenen Halszäpfchen.

Prokrastination

Posted by michl on 06/05/2015 in motz with Comments closed

Ich wollte schon immer etwas über Prokrastination schreiben. Der Begriff ist ja zurzeit grad recht hipp in unserer Branche. Beim Volk hat er sich noch nicht durchgesetzt, wird er wohl auch nicht. Zuviele «r» drin. Leicht ist eines an der falschen Stelle gesetzt und man liest ganz was anderes. Doch es gibt Journalisten, die verwenden gerne, manchmal zu gerne, Fremdwörter, zuweilen und mit Vorliebe solche, über die bis dahin keiner geredet hat, bzw. geschrieben. Prokrastination ist so ein Wort. Und gleichzeitig ist es auch ein Leiden. Und ja, liebe Damen, nicht nur Männer leiden darunter!

Wenn Frauen unter Prokrastination leiden, v.a. verheiratete oder sonstwie lieerte Frauen, dann ist das verheerend. Wenn Männer, v.a. verheiratete oder sonstwie lieerte oder solche mit Führungsaufgaben, darunter leiden, dann ist das nicht allzu gravierend, denn sie haben ja Gattinnen oder Lebensabschnittspartnerinnen oder Sekretärinnen (manchmal ist alles dasselbe), die für sie sorgen. Bei Singlemännern ist es etwas diffiziler. Ich bin so einer, ich single und leide unter Prokrastination. Ich habe keine Stellvertretung, die meine Arbeit macht. Leider. Drum: Prokrastination ist ein Leiden. Jedenfalls seit der Begriff wieder in Mode gekommen ist. Früher, also nicht sehr viel früher, hat darunter wohl niemand so richtig gelitten, ganz einfach darum, weil man den Begriff nicht kannte. Wo kein Name dafür, da auch keine Krankheit. Jetzt aber besteht eine Chance auf medizinische Anerkennung (Siehe dazu auch meinen Blog «BED» über neu erfundene Krankheiten).

Nun mal ehrlich: So richtig leiden tut man unter Prokrastination nicht. Manchmal ist es sogar so, dass man sich viel Arbeit oder Ärger erspart, wenn man so richtig lustvoll prokrastiniert. Nur: man muss es bewusst machen! Also richtig leiden! Und man muss es allen erzählen! Natürlich nicht mit dem alles erklärenden Begriff dafür. Denn den versteht ja keiner. Wenn ich also mitten in der Woche mitten an einem Nachmittag mitten am Stammtisch sitze und mit drei pensionierten Landwirten einen Pandur jasse bis uns allen die Finger abfallen, dann sage ich nicht, sofern ich darauf angesprochen werde: «Ich prokrastiniere gerade!» («Ich jasse gerade» trifft die Wahrheit eben nur halbseitig, denn Jassen ist in diesem Fall Ersatzbeschäftigung, bzw. -befriedigung («Ich jasse gerade» wäre zwar ganz wahr, aber eine respektlose Antwort, weil sie den/die Fragende/n für doof hinstellt)).

Damit will ich nicht behaupten, dass Prokrastinieren der lateinische Begriff für Jassen ist. Vielmehr kann Prokrastinieren für viele Tätigkeiten stehen. Nur für eine nicht: Tun. Prokrastinieren heisst nämlich Aufschieben. Prokrastinieren ist das bare Gegenteil von Erledigen. Der Duden spricht von Verschleppung, Vertagung, Verzögerung, Retardation und Prorogation. Wiki nennt dazu den Begriff «Erledigungsblockade». Ganz viele üble Wörter also für ein gesellschaftlich (noch) nicht anerkanntes Leiden!. Prokrastination kommt vom lateinischen «procrastinatio» (Vertagung). «pro» steht für «für» und «cras» für «morgen». Prokrastination kann man also auch so erklären: Was du heute kannst besorgen, das verschieb' getrost auf morgen.

P.S.1: Es gibt jedoch Ausnahmen zu den oben erwähnten Vertretern meiner Branche. Der BLICK, bzw. die Leute dort, kennt, bzw. verwendet den Begriff Prokrastination nie. Das ist auch logisch. Denn Prokrastination ist geradezu die Entgegnung zu dem was der BLICK macht, nämlich Fakten wahr, die es noch gar nicht gibt (oder nie geben wird). Der BLICK schiebt die Dinge nicht auf. Er ist allermeistens schon da wenn etwas passiert. Ich erinnere mich an einen Spruch aus meiner Jugend: «BLICK war dabei: Eine Leiche kam um die Ecke und verreckte.»

P.S.2: Jetzt, wo ich diesen Blog schreibe, übrigens, prokrastiniere ich gerade lustvoll. Denn damit bleibt Anderes, eigentlich dringender zu Schreibendes, liegen. Und die Wäsche kann ich ja auch noch später aus dem Tumbler holen. Und Vuelo kann ja noch ein bisschen warten mit seiner Blasenentleerung. Und die Gewerbler mit ihrer Hauptversammlung können ja auch ohne mich anfangen. Und vielleicht gehe ich ja noch hurtig einen Pandur jassen?

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Fahrende Streberlinge

Posted by michl on 03/03/2015 in trävl with Comments closed

Es gibt sie tat­säch­lich: Inno­va­tio­nen auf Malta. Bei der hier nach­fol­gend beschrie­be­nen sind sie, die Mal­te­ser, dem Rest von Europa sogar vor­aus, denn soet­was hat man, also ich, noch nicht gerade gese­hen. Dabei ist es eigent­lich nur ein ein­zi­ger Mal­te­ser, der den Kar­ren zieht: Kris Rycken. Rycken hat den «Rol­ling Geek» erfun­den. Fah­ren­der Besser-, bzw. Fas­talles­wis­ser. Der Mann dachte sich: Wie kann ich einem Tou­ris­ten die Schön­hei­ten und his­to­ri­schen Fak­ten mei­ner Hei­mat erklä­ren, ohne dass ich mit­ge­hen und er selbst nicht kilo­me­ter­lange Exkur­sio­nen zu Fuss unter­neh­men muss?

Die Lösung ist ein Auto. Ein spre­chen­des Auto, das selbst sei­nen Weg fin­det und des­halb stets weiss wo es ist und wo es was zu sagen hat. Letzte Woche durfte ich so einen «Rol­ling Geek», wie Kris sie nennt, tes­ten ... mehr: gripstrips

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Flughafenschikanen

Posted by michl on 03/03/2015 in trävl with Comments closed

Nach mei­ner Erfah­rung gehö­ren die Ange­hö­ri­gen der Zür­cher Kan­tons­po­li­zei am Flug­ha­fen draus­sen in Klo­ten zu den eif­rigs­ten aller Berufs­aus­üben­den ihrer Kate­go­rie auf Euro­pas Flug­hä­fen. Unter ihnen ste­hen die weib­li­chen Ange­hö­ri­gen gar noch eine Stufe höher auf der Dienst­pflicht­er­fül­lungs­lei­ter. Nach­dem es sich längst her­aus­ge­stellt hat, dass die von den Ame­ri­ka­nern durch­ge­drückte Regel, dass Pas­sa­giere ihre Hygie­ne­ar­ti­kel in einen Plas­tik­sack ver­pa­cken müs­sen, wenn sie sie im Hand­ge­päck ins Flug­zeug mit­neh­men, nichts bringt und sie des­halb an eini­gen Flug­hä­fen gross­zu­gig aus­ge­legt (und an aus­ser­eu­ro­päi­schen Flug­hä­fen gar nicht mehr ange­wen­det) wird, sind Zürichs Flug­ha­fen­po­li­zis­tin­nen immer noch der Mei­nung, in einer mehr als halb­lee­ren 125mL-Rasierseifentube könne Spreng­stoff geschmug­gelt wer­den. Erst müs­sen also mit dem Ticket­preis mas­siv über­zo­gene Flug­ha­fen­ge­büh­ren abge­drückt wer­den und dann schmeis­sen jene, die durch diese Gebüh­ren finan­ziert wer­den, über­teure Kos­me­tik in den Müll ... mehr: gripstrips

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De la Valettes Burgerstand

Posted by michl on 03/03/2015 in trävl with Comments closed

Val­letta, die Haupt­stadt Mal­tas, ist im Umbruch. Zumin­dest der Stadt­teil, den jede/r Besu­chende, also jede/r Tourist/in (daselbst auch die vie­len Arbeitspendler/innen, die jeden Mor­gen aus den Vor­städ­ten in die Haupt­stadt zwecks Aus­übung ihres Jobs ein­schwär­men) zuerst antrifft, das Regie­rungs­vier­tel. Hier hat der ita­lie­ni­sche Star­ar­chi­tek Renzo Piano im Auf­trag der Lan­des­re­gie­rung ein neues Stadt­tor und ein Par­la­ments­ge­bäude gebaut. Ein modern gestyl­tes archi­tek­to­ni­sches Kunst­werk, das, seit es kon­krete For­men ange­nom­men hat, die Bevöl­ke­rung auf­rührt und in zwei Lager teilt.

Mit dem Bau des neuen Par­la­ments (auf einem vor­her nicht wirk­lich sinn­voll genutz­ten Grund­stück) hat man auch dem im 2. Welt­krieg aus Ver­se­hen zer­bomb­ten und seit­her zer­bombt dahin­ve­ge­tie­ren­den «Royal Opera House» ein neues, ebenso streit­ba­res Gesicht gege­ben ... mehr: gripstrips

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Ciguatera

Posted by michl on 04/02/2015 in trävl with Comments closed

Bauch­schmer­zen, Übel­keit, Erbre­chen, Durch­fall (sog. Gas­tro­in­tes­ti­nale Sym­pto­ma­tik) nach 8–10 Stunde, dann Mus­kel­schmer­zen, Abge­schla­gen­heit, star­kes Schwit­zen, Juck­reiz, Seh­stö­run­gen, weit­ge­stellte Pupil­len und Schlaf­lo­sig­keit. Was nach einer Lebens­mit­tel­ver­gif­tung tönt, ist (fast) eine. Gründe dafür sind die übli­chen Ver­däch­ti­gen, dar­un­ter Fisch. Ein über­la­ger­ter Fisch hat schon man­chem Zeit­ge­nos­sen Bauch­schmer­zen ver­ur­sacht (auch mir). Doch nach einem hal­ben Tag mel­det sich Phase 2, (sog. Neu­ro­lo­gi­sche Sym­pto­ma­tik): Haut­aus­schläge, Taub­heits­ge­fühl in Lip­pen– und Mund­schleim­haut, spä­ter auch auf die Extre­mi­tä­ten über­grei­fend, cha­rak­te­ris­ti­sche Umkehr des Kalt-Warm-Empfindens im Bereich der Hände und Füße (Sin­nes­um­kehr), Muskel-, Gelenk-, Kopf– und Zahn­schmer­zen, Frös­teln und Schwit­zen. Alko­hol ver­schlim­mert die Syp­tome.

Tönt schreck­lich, ist es auch. Aber nur in 1 bis 7 Pro­zent der Fälle töd­lich (bei Men­schen). Die Rede ist von «Cigua­tera», der am häu­figs­ten auf­tre­ten­den Fisch­ver­gif­tung. Cigua­tera tritt bei rund 400 Fisch­ar­ten in den Mee­ren ... mehr: gripstrips

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